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Münsterländer im Rasseportrait

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Münsterländer

Herkunft und Rassegeschichte

Vorstehhunde

Der Kleine Münsterländer und der Große Münsterländer Vorstehhund sind Jagdhunde, genauer Vorstehhunde. Schon in der Antike nutzte man gezielt die Verhaltensweise bestimmter Jagdhunde: Wenn sie Wild, etwa einen Vogel oder Hasen, aufgespürt haben, verharren sie urplötzlich, legen sich still hin und zeigen mit ihrer Schnauze in Richtung der Beute. Andere Hunde wie der Pointer bleiben wie erstarrt stehen und zeigen mit Kopf sowie einem Vorderlauf in Richtung der Beute. Das nennt man Vorstehen und danach ist eine ganze Gruppe spezieller Jagdhunde benannt. Vorstehhunde können aber mehr als nur Vorstehen. Sie sind hervorragende Stöberer und Fährtensucher, kurz: sie finden erst einmal den Fasan oder Hasen. Dann sind sie gute Apportierer. Vorstehhunde sind in der Regel das Schweizer Messer eines einzeln jagenden Waidmanns.

Der Kleine Münsterländer

Der Kleine Münsterländer ist der kleinste der deutschen Vorstehhunderassen. Auch deshalb ist er einer der beliebtesten und zudem ein vielseitiger Jagdgebrauchshund. Er hat hervorragende Fähigkeiten in der Spurarbeit und ist ein ebenso guter Apportierer nach dem Schuss. Der Kleine Münsterländer ist ein ausgesprochen wasserfreudiger Hund. Der moderne Kleine Münsterländer, so wie wir ihn heute kennen, wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt. Der Bruder des Dichters Hermann Löns, Edmund, war hier die treibende Kraft. Zu den Vorfahren aller modernen Vorstehhunde zählen Vogelhunderassen wie die Wachtelhunde. Sie waren schon im Mittelalter weit verbreitete Vorstehhunde für die Vogeljagd. Wachtelhunde waren aber schwerfälliger und nicht so vielseitig wie die heutigen. Daher auch die zweite Bezeichnung des Kleinen Münsterländers: Heidewachtel. Nachdem die Jagd nicht mehr das alleinige Vorrecht des Adels war, wollten die großen Bauern etwa des Münsterlandes einen vielseitigen Jagdhelfer, der zudem zwischen den Jagden auf dem Hof seinen Hund stehen sollte. Daher hat der Münsterländer seine Wachsamkeit und erste Distanziertheit gegenüber fremden Menschen.

Der Große Münsterländer

Neben dem Kleinen Münsterländer gibt es den Großen Münsterländer Vorstehhund, den langhaarigen deutschen Vorstehhund, den Wachtelhund und früher noch den Kleinen Vogtländer. Sie sind alle vor gut hundert Jahren aus alten Schlägen entstandene Formen des langhaarigen, deutschen Vorstehhundes. Noch vor weniger als einhundert Jahren waren viele selbst für den Fachmann kaum zu unterscheiden. Sie sind allesamt noch heute hochprofessionelle Jagdhunde. 1912 wurde der „Verband für kleine Münsterländer Vorstehhunde“ gegründet. 1921 wurde der erste Rassestandard durch Friedrich Jungklaus fixiert. 1919 wurde der „Verein für die Reinzucht des langhaarigen schwarz-weißen Münsterländer Vorstehhunde“ gegründet, der mit 83 ausgesuchten Hunden die Hunderasse Großer Münsterländer Vorstehhund begründete. Beide Vereine sind Mitglied im Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) und im Jagdgebrauchshundverband (JGHV). Lediglich der Kleine Münsterländer hat auch über den jagdlichen Einsatz hinaus größere Verbreitung gefunden. Er steht daher in den nachfolgenden Beschreibungen im Mittelpunkt.

Beschreibung

Beide Münsterländer sind elegante, sportliche, mittelgroße Hunde ohne jede Übertreibung in ihren körperlichen Merkmalen. Der Kleine Münsterländer ist, wie der Name schon aussagt, kleiner als der Große Münsterländer. Er hat eine Widerristhöhe um die 53 Zentimeter, der große eine von gut 60 Zentimetern. Entsprechend liegt das Gewicht um 25 bzw. 30 Kilogramm. Beide haben einen kräftigen, muskulösen, trockenen Körperbau. Ihr Fell ist dicht, maximal mittellang, glatt bis wenig gewellt, nicht lockig, fest anliegend, wasserabweisend. Die Umrisse des Körpers dürfen durch zu langes Haarkleid nicht verdeckt werden. In jedem Fall geht die Zweckmäßigkeit für den jagdlichen Einsatz vor. Das ist „Form follows Function“ – wie man es sich eigentlich für jede Hunderasse wünscht. Die erlaubten Farben haben ein eher breites Spektrum: Braun-weiß und braun-schimmel mit braunen Platten beim Kleinen und weiß mit schwarzen Platten und Tupfen, schwarz geschimmelt oder rein schwarz beim Großen Münsterländer.

Charakter und Wesen

Als erstes und grundlegend sollte man im Bewusstsein haben, dass die Münsterländer durch und durch Jagdhunde sind. Die Rasse ist sehr kinderlieb und familienfreundlich. Das darf aber keineswegs falsch verstanden werden. Denn familienfreundlich heißt nicht automatisch Familienhund. Er ist vielmehr ein ausgesprochener Arbeitshund. In der Hand eines kundigen Führers ist der Münsterländer ein nützlicher Helfer bei der Jagd und dann im Zweitjob auch Familienhund. Er hat den starken Drang und Willen zur Arbeit, sei es nun die Jagd oder deren Ersatz in Form von Hundesport aller Art. Der Münsterländer ist daher kein Anfängerhund und auch kein Hund für Menschen, die nicht intensiv mit ihm arbeiten wollen oder können. Er braucht eine konsequente, fachkundige Erziehung, um seine hohe Intelligenz, seine wachen Sinne und seine ausgeprägte Leistungsbereitschaft in die richtigen Bahnen zu lenken. Ansonsten wird man mit ihm nicht ohne Leine spazieren gehen können, da er beim kleinsten Reiz dem Wild hinterherhetzen würde – um nur eines der potenziellen Probleme zu nennen. Ein wesensgerechtes Umfeld vorausgesetzt, ist der Münsterländer ein toller Freund der Familie und der Kinder, ein toller Begleiter auch außerhalb der jagdlichen oder sportlichen Arbeit und in jedem Fall ein herrliches, naturnahes Erleben der Partnerschaft von Mensch und Hund.

Haltung

Obwohl reiner Jagdhund, wird besonders der Kleine Münsterländer in den letzten Jahren von vielen vermeintlichen „Züchtern“ zwielichtiger Vereine als „Familienhund“ angepriesen, ohne auf seinen Hauptberuf als Jagdhelfer hinzuweisen. Das ist unverantwortlich, denn er ist mit jeder Faser ein Jagdhund. Dann und nur dann macht er sich gut in der Familie, wenn sein Arbeitseifer artgerecht befriedigt wurde und er zudem eine gute Sozialisation und Erziehung genossen hat. Genau aus diesem Grund haben sich Hundefreunde zur „Internationalen Gemeinschaft der Kleinen Münsterländer Freunde“ zusammengeschlossen. Hier sollte sich der interessierte Welpenkäufer vor einem Kauf über diese Hunde informieren, die er später aktiv führen müsste. Und hier findet auch der Nichtjäger Gleichgesinnte, von deren Erfahrungen er unbedingt profitieren sollte. Nur als Familienhund gehalten kann der Kleine Münsterländer schnell ein Fall für den Hundetherapeuten werden.

Erziehung

Ein Münsterländer sollte nur von einem fachkundigen Herrchen oder Frauchen erzogen werden. Er sollte unbedingt aus einer von VDH oder JGHV anerkannten Zucht stammen, wo schon die Elterntiere und die Welpen von der Wurfkiste an für ihre Aufgaben sozialisiert wurden. Darüber hinaus ist es notwendig, den Münsterländer jagdlich oder adäquat sportlich fachkundig ausbilden und arbeiten zu lassen. Zur Zucht werden eh nur Hunde zugelassen, die erfolgreich die anspruchsvollen Arbeitsprüfungen absolviert haben.

Pflege und Gesundheit

Fellpflege

Die Pflege eines Münsterländers ist anspruchslos. Es reicht aus, regelmäßig das Fell zu bürsten.

Rassetypische Krankheiten

Die Münsterländer sind von ihrem dem VDH und JGHV angeschlossenen Vereinen züchterisch beispielhaft betreut. Entsprechend ist die durchschnittliche Gesundheit der Hunde ohne Beanstandung.

Ernährung/Futter

Ein Münsterländer ist beim Thema Ernährung in aller Regel völlig unproblematisch.

Lebenserwartung

So ist es kein Wunder, dass viele Hunde aus den genannten Vereinen 12 bis 15 Jahre alt werden und das bei bester Konstitution. Am Münsterländer kann kein Tierarzt reich werden.

Münsterländer kaufen

Vor der Anschaffung eines Münsterländers sollte unbedingt die gewissenhafte Beantwortung der Frage stehen, ob man den Anforderungen an eine wesensgerechte Haltung dieses Jagdhundes gerecht werden kann. Dann sollte man Kontakt zu den IGKlM-Freunden aufnehmen und sich nach Züchtern und Nothunden erkundigen. In jedem Fall sollte man einen Welpen nur vor Ort bei einem Züchter kaufen, der einem Verein des VDH oder Jagdgebrauchshundverbandes angeschlossen ist. Die Kosten für einen Münsterländer liegen bei ca. 1000 Euro.
 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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