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25 Jahre Erfahrung

Wolfshund im Rasseportrait

1974
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WolfshundHerkunft und Rassegeschichte

Der Wolf hatte auf den Menschen schon immer eine besondere Wirkung. Zuweilen ist es eine tiefsitzende Angst wie wir sie aus Märchen kennen, der böse Wolf, der Rotkäppchen mit einem Happen frisst. Die meisten Menschen fühlen sich heute zum Wolf als Freund hingezogen. Er strahlt eine gewisse Faszination aus, eine Aura von Wildnis und den natürlichen Wurzeln unseres eigenen Lebens. Ein Wolf mit den Vorteilen eines Hundes – ein faszinierender Gedanke. So gibt es immer wieder Versuche, diese Quadratur des Kreises zum Leben zu erwecken. Der Evolution lässt sich aber kein Schnippchen schlagen. Es hat tausende Jahre gedauert, um aus dem Wolf unseren Hund als treuen Begleiter des Menschen werden zu lassen. Und trotzdem will man diesen Gedanken nicht loslassen. Ein anderer Ansatz ist dagegen ganz nüchtern. Hier geht es um die Leistungsfähigkeit eines Hundes. So versucht man immer wieder einmal, durch Einkreuzen eines Wolfes die Leistungen des Hundes etwa beim Laufen oder bei den Sinnesorganen zu verbessern.

Solche Versuche schlugen regelmäßig fehl. Das hätten uns die seit Jahrtausenden mit Hunden und Wölfen vertrauten Völker des Polarkreises gleich sagen können: Durch das Einkreuzen von Wölfen wird die Arbeitsleistung der Hunde schlechter und nicht besser. Wölfe haben einfach nicht die Geduld und insbesondere nicht die Stresstoleranz, um mit und für den Menschen zu arbeiten. Auf ihre spezielle Arbeitsleistung optimierte Hunde sind darüber hinaus Wölfen in dieser ihrer Disziplin immer überlegen. Diese Erfahrung musste auch das Militär der damaligen Tschechoslowakei machen. 1955 wurde der Auftrag vergeben, einen besonders leistungsfähigen Hund für die Grenzsicherung zu züchten. Unter wissenschaftlicher Leitung wurde ein Zuchtprogramm aufgesetzt. Man entschloss sich für eine Mischung aus Deutschem Schäferhund und Karpartenwolf.

Doch der Erfolg blieb aus. Zwar zeigten einige Hybriden hervorragende Arbeitsleistungen jedoch nur unter intensivster Betreuung vom Welpen an. Die meisten blieben scheu und zeigten eine viel zu niedrige Reizschwelle, die schnell in Aggression umschlagen konnte. 1971 wurde das Programm wieder eingestellt. Die Wolfshunde wurden getötet oder ausgesetzt. Einige schafften es jedoch, in die Hände von Liebhabern zu kommen, die sie als Haushund weiterentwickeln wollten. Das gelang. So entstand die Hunderasse Tschechoslowakischer Wolfhund. Sie wurde 1999 offiziell vom Welthundeverband FCI anerkannt. Die zweite Wolfshunderasse, der Saarloos Wolfhond, stammt aus den Niederlanden. Leendert Saarloos kreuzte schon in den 1920er Jahren ebenfalls einen Deutschen Schäferhund mit einem sibirischen Wolf und entwickelte dann diesen Stamm weiter. Der später nach ihm benannte Saarlooswolfhond wurde 1981 von der FCI anerkannt.

Beschreibung

Tschechoslowakischer Wolfhund und Saarlooswolfhond sind die einzigen Wolfshunde mit offizieller Anerkennung und auch die einzigen, die man als Hund oder Haustier empfehlen kann. Beide haben eine beeindruckende, faszinierende Erscheinung, die für den Laien kaum vom Wolf zu unterscheiden ist. Man sieht ihnen das Wolfsblut an, man spürt es, obwohl es Hunde sind. Sie sind zwischen 25 und 45 Kilogramm schwer und haben eine Widerristhöhe von mindestens 60 Zentimeter. Saarlooswolfhonde sind größer und schwerer als der Tschechoslowakische. Beider Fell erinnert in Farbe und Struktur an den wilden Europäischen Wolf. Diese Wolfshunde muss man von Wolfshunden, etwa dem Irischen oder dem Russischen, als Barsoi bekannt, unterscheiden. Irischer Wolfshund und Barsoi sind Hunde, die schon im Mittelalter speziell für die Jagd auf Wölfe gezüchtet wurden. Offiziell werden Tschechoslowakischer Wolfhund und Saarlooswolfhond im Übrigen ohne das „s“ zwischen Wolf und Hund geschrieben. Da das aber im Deutschen unüblich ist, hat sich die Schreibweise mit dem „s“ – also „Wolfshund“ – in der Praxis durchgesetzt.

Charakter und Wesen

Die Faszination des Wolfes zeigt sich zunächst einmal nicht in Souveränität und Erhabenheit. Da bieten andere Hunde, etwa Bernhardiner oder Leonberger eine viel überzeugendere, coole und lässige Ausstrahlung. Der Wolf ist ein Wildtier und meidet von Natur aus die Nähe zum Menschen, zu lauten Geräuschen, zu hektischer Betriebsamkeit und erst recht zu zweibeinigen Massenaufläufen. Das ist für ihn purer Stress. Der evolutionäre Abbau dieses Stressniveaus war die entscheidende Grundlage, dass er der beste Freund des Menschen werden konnte. Das liegt mittlerweile in seinen Genen. Durch die Einkreuzung von Wölfen kann man bei den Wolfshunden ein stückweit von einer evolutionären Rückentwicklung sprechen. Die meisten Wolfshunde zeigen quasi von Natur aus eine gewisse Scheu gegenüber Fremden und Fremdem.

Durch entsprechende Zucht, insbesondere durch sorgfältige Sozialisation und dann engste vertrauensvolle Anbindung an Herrchen und Frauchen kann diese Scheu in den Hintergrund treten oder ganz verloren gehen. Wolfshunde können ganz tolle vertraute Partner im Leben eines Menschen sein, die ihm viele neue Sichten des Lebens öffnen. Das setzt aber unbedingt Fachkunde, viel Hundeerfahrung sowie Zeit und passende äußere Rahmenbedingungen voraus. Tschechoslowakischer Wolfhund und Saarlooswolfhond lassen sich ganz klar als Hund halten. Das gilt keineswegs für direkte Verpaarungen aus Wolf und Hund wie sie heute meist aus den USA importiert und hier verantwortungslos vermarktet werden. Den Markt für solche Hybriden zu bedienen, muss als Tierquälerei bezeichnet werden und gefährdet zudem die natürliche Wolfspopulation, wenn diese nicht als Hund führbaren, armen Caniden dann regelmäßig „entsorgt“ oder schlicht ausgesetzt werden.

Haltung

Tschechoslowakischer Wolfhund und Saarlooswolfhond sind keine Hunde für Anfänger oder eine Wohnung oder eine Haltung in der Stadt oder für Normalos, die fünfmal in der Woche für acht oder mehr Stunden außer Haus sind. Treffen all diese Voraussetzungen nicht zu, so können diese Hunde durchaus artgerecht gehalten werden. Sie eröffnen ganz neue Facetten im Leben, bauen emotionale Brücken zur wilden Natur wie sie heute nur selten in Mitteleuropa zu finden ist. Die beiden Rassen haben ihre Berechtigung, aber nur in der Hand eines Halters, der oder die sich voll auf das – lohnenswerte -Abenteuer mit ihnen einlassen wollen und auch nachhaltig können. Fast alle Hunde dieser Rassen haben einen sehr ausgeprägten Jagdinstinkt wie auch die Fähigkeit, diesen nach Wolfsart fachkundig und kollektiv in die Tat umzusetzen. Dieser ist kaum verbal zu kontrollieren. Diese ausgeprägten Triebe kann man nur über geeignete Ersatzbeschäftigungen befriedigen. Wie schon angedeutet, kann man nicht mit jedem Wolfshund überall hingehen. Da muss man die individuelle Persönlichkeit des Hundes entsprechend respektieren. Stimmen alle genannten Faktoren, sind Wolfshunde durchaus als Familienhunde geeignet. Es gibt Wolfshunde, die sich von Veranstaltungen mit Dutzenden fremder Leute und lauter Musik nicht aus der Ruhe bringen lassen. Aber auch hier gilt, dass es auf den einzelnen Hund ankommt.

Erziehung

Die entscheidende Grundlage der Erziehung eines Wolfshundes sind ein tiefes Vertrauensverhältnis zu Herrchen und Frauchen sowie deren Fachkunde auf hohem Niveau. Naive Schwärmereien über den Wolf sind fehl am Platze. Mit Respekt vor der Herausforderung, Respekt vor der individuellen Persönlichkeit eines jeden Hundes, viel Zeit und gemeinsamem Erleben lässt sich eine tolle, einzigartige Partnerschaft aufbauen – eben wenn man will und vor allem kann. Diese Investition zahlt sich vielfach aus. Klar muss von Welpen an selbstverständlich immer sein, wer der Chef ist.

Pflege und Gesundheit

Ein Wolfshund braucht keine besondere Pflege. Der Gesamtaufwand einer wesensgerechten Haltung ist aber wie beschrieben sehr hoch.

Rassetypische Krankheiten

Die Entstehungsgeschichte der beiden Wolfshunderassen hat ihnen das ernsthafte Problem der Inzucht mit in die Wiege gelegt. Damit verbunden ist ein erhöhtes Risiko zu etlichen Erbkrankheiten.

Ernährung/Futter

Die Wolfshunde stellen keine besondere Anforderung an ihre Ernährung.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung liegt bei etwa 12 Jahren.

Wolfshund kaufen

Solltest du ernsthaft an der Anschaffung eines Wolfshundes interessiert sein, so solltest du zunächst über längere Zeit deine objektiven und subjektiven Voraussetzungen hierfür vor dir selbst prüfen. Du solltest dich dann bei einem dem VDH angeschlossenen Züchter des Tschechoslowakischen Wolfhunds oder des Saarlooswolfhonds umschauen. Ein Wolfshund kostet in der Regel um die 2.000 Euro.

 

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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