Über 300 Marken
Kostenloser Versand in Deutschland ab 19€
25 Jahre Erfahrung

Halti: Vor- und Nachteile im Überblick

19584
7

HaltiWie bei allen anderen Hilfsmitteln in der Hundeerziehung auch, gibt es beim Halti Befürworter und Gegner. Für viele Hundehalter sind Teletakt und Stachelhalsband mittlerweile tabu, aber wie ist es beim „Halti“? Über Vorteile, Probleme und die Nutzung von Hundekopfhalftern informieren wir hier.

Generelles zum Halti

Haltis sehen aus wie Pferdehalfter und haben keine Maulkorbfunktion. Der Hund kann sein Maul weiterhin öffnen, hecheln und fressen. Manche Hundebesitzer lehnen diese Halfter strikt ab, manche nutzen sie als zeitbegrenztes Trainingsmittel. Wieder andere gehen nicht mehr ohne mit dem Hund spazieren. Es heißt, dass sich das Halfter – wie auch bei anderen Tieren – am besten zur Führung eignet. Immerhin wird es seit Jahrhunderten bei Vierbeinern von Pferd bis Kamel genutzt. Hier greift das Sprichwort „führt man den Kopf eines Tieres, so führt man es ganz“.

Generell ist der Einsatz eines Haltis ein gutes Mittel zur Kommunikation, unter der Bedingung, dass es richtig eingesetzt wird. Es hilft beispielsweise bei aggressiven oder dominanten Hunden. Auch dann, wenn das Kräfteverhältnis „Mensch-Hund“ nicht stimmt. Wichtig ist aber zu betonen, dass das Kopfhalter eine vernünftige Erziehung nicht ersetzt. Es bekämpft zwar die Symptome, löst aber nicht das Hauptproblem. Das ist meistens eins, das die Beziehung zwischen Mensch und Hund betrifft.

Wirkungsweise des Kopfhalfters

Im Allgemeinen arbeiten die ursprünglichen Kopfhalfter so, dass ein Zug an der befestigten Leine die Schlaufe zusammenzieht, die das Maul („den Fang“) umgibt. Es entsteht ein Schnauzengriff, der Bestandteil der Hundesprache ist. Generell bedeutet dieser eine Reglementierung von unerwünschtem Verhalten und wird vor allem von der Mutterhündin bei Welpen angewendet.

Problem ist aber, dass

  • nicht alle Hunde wissen, was ein Schnauzengriff bedeutet und
  • er je nach Druckstärke verschiedene Bedeutungen hat

Die normale Folge bei starkem Druck und somit einem starken Schnauzgriff ist natürlicherweise unterwürfiges Verhalten, was sich durch Vermeidung von Blickkontakt und Vergrößerung des Abstandes zeigt. Das ist jedoch das Gegenteil von dem, was das Halti erreichen soll, nämlich Blickkontakt und Konzentration auf den Menschen. Zu empfehlen sind deshalb Halfter, die einen Stopp besitzen und sich nicht um die Schnauze zusammenziehen. Hier wird lediglich ein sanfter Druck ausgeübt, der nicht unterordnend wirkt, sondern die Aufmerksamkeit des Hundes lediglich auf den Halter lenkt.

Die richtige Anwendung

Jetzt kommen wir zur Anwendung des Haltis und direkt zum wichtigsten Punkt bei der ganzen Sache: Niemals sollte man das Halti von Anfang an in Eigenregie anwenden. Man sollte sich viel mehr die Nutzung von einem Trainer oder anderweitig qualifizierten Person erklären und zeigen lassen – ideal sind häufige, gemeinsame Trainingseinheiten. Bei der falschen Nutzung kann viel schief gehen und der Versuch, etwas zu verbessern, kann böse nach hinten losgehen.

Beim Training mit einem Profi wird man vor allem lernen, wann, wie und in welchen Fällen das Halti „zu benutzen“ ist. Beispielsweise in Kombination mit einem Stimmsignal und Zug an der kurzen Leine. Dazu ist der punktgenaue Einsatzzeitpunkt wichtig. Ist die Leine zu lang, wächst das Verletzungsrisiko, da der Hund dort mit voller Wucht ins Halfter läuft und sich schwer verletzen kann.

Generell gilt, dass man den Hund nie nur am Halti führen sollte. Man sollte parallel immer Halsband oder Geschirr verwenden, dazu im Idealfall zwei separate Leinen für die beiden „Hilfsmittel“. Man kann auch eine Führleine nehmen, die an beiden Enden einen Karabiner besitzt. Wichtig ist jedoch, dass das Ziehen des Hundes immer über die Führleine und das Geschirr/ Halsband abgefangen wird, niemals durch das Halti.

Grundsätzlich sollte das Halti dazu genutzt werden, die Aufmerksamkeit des Hundes bei Sich-Nähern einer Reizquelle auf den Menschen zu lenken und ihn so aufnahmebereit für weitere Kommunikation zu machen. Aggressive, gestresste oder dominante Verhaltensweisen können so unterbrochen bzw. im Voraus verhindert werden. Bevor das Halti jedoch überhaupt benutzt wird, ist es wichtig, den Hund stressfrei und mit viel positiver Bestätigung an das Kopfhalfter zu gewöhnen.

Wichtig: Lernprozess und Kommunikation

Man sollte sich als Halter von vorneherein bewusst sein, dass das Halti keine Lösung „für Faule“ ist. Auch man selber muss hart an sich arbeiten, nicht nur der Hund. Wichtig ist es vor allem, dass man die vorherige „Leinenrucktechnik“ vollständig ablegt.

Außerdem ist zu betonen, dass das Kopfhalter nur ein Sicherungsmittel sein sollte. Der Blickkontakt zum Menschen kann durch gezieltes Training und intensive Beschäftigung mit dem Hund viel besser erreicht werden als durch ein Halti – es sollte nie die erste Wahl bzw. der erste Versuch sein. Darüber hinaus sollte es keine Dauerlösung sein, da das Training im Idealfall zur Besserung der Symptome führt und somit das Halti unnütz macht.

Falsche Nutzung

Wie bereits gesagt, ist auch die Arbeit des Hundehalters an sich selber wichtig. Das Halti ist eine direkte Verbindung des Menschen zu einer sehr empfindlichen Körperstelle des Hundes. Es dient zur „feineren“ Kommunikation. Unruhiges Gezuppel, Ziehen an der Leine oder Schlenkern überfordert den Hund und bringt ihn dazu, diese vermeintlichen unverständlichen Signale zu ignorieren. In solchen Fällen funktioniert die Kommunikation über das Halti auch dann nicht mehr, wenn ein gewolltes Signal vermittelt werden soll.

Das größte Problem bei einer unsachgemäßen Nutzung des Haltis sind die körperlichen Schäden, die beim Hund entstehen können. Macht der Hund regelmäßig die Erfahrung, dass sein Kopf ohne Vorwarnung zur Seite gerissen werden könnte, wird er sich im Bereich der Nacken- und Schultermuskulatur stark verkrampfen, was mit der Zeit auch negative Auswirkungen auf Gelenke und den gesamten Körper haben kann. Im schlimmsten Falle kann es zu erheblichen Schäden an der Halswirbelsäule oder sogar zum Genickbruch kommen. Wenn ein 70 kg schwerer Hund an einer langen Leine 10 m Platz zum lossprinten hat und dann mit voller Wucht vom Halti gestoppt wird, sind solche schwerwiegenden Folgen nicht verwunderlich.

Auch ist der richtige Sitz des Halfters wichtig. Ist es zu groß oder zu klein, kann es schmerzhaft scheuern, verrutschen oder gar bestimmte Stimulationspunkte an dieser empfindlichen Stelle überreizen. Deshalb vor dem Kauf unbedingt die trächtigen Maße nehmen oder den Hund gleich mitnehmen und sich vor Ort beraten lassen.

Auf langfristige Sicht kann auch die Psyche des Hundes Schaden tragen, so dass er immer einen stark unterwürfigen, gehemmten Eindruck macht, wenn er das Halti trägt. Das natürliche Verhalten fehlt völlig, er ignoriert andere Hunde ebenso wie interessante Gerüche oder das Markieren seines Revieres. In solchen Fällen muss das Halfter sofort weg.

Immer gut abwägen, ob man ein Halti benutzen will. Bei der richtigen Anwendung ein gutes Hilfsmittel, welches aber nur über einen bestimmten Zeitraum anzuwenden ist. Die falsche Anwendung kann schwerwiegende Folgen haben und das unerwünschte Verhalten nur noch verschlimmern. Deshalb immer Hilfe beim Profi suchen. Parallel  immer weiter an der richtigen Beziehung zwischen Hund und Halter arbeiten. Ist der Hundehalter einmal als Rudelführer integriert, lösen sich viele andere Probleme von selbst.

Hilf uns, unseren Service weiter zu verbessern. War dieser Artikel hilfreich für dich?

Kommentare, Fragen und Antworten
  1. Brigitte Kaßler sagt:

    Sehr hilfreich!

  2. Uwe Höhne sagt:

    Sehr gut, und ausführlich. Hilft mir schon weiter. Dankeschön

  3. Hunde-Harmonie sagt:

    Ich bin absolut kein Fan vom Halti. Ich finde es trotzdem oder gerade deshalb super, wie das Thema hier kritisch betrachtet wird und jeder/m die Möglichkeit bietet sich selbst eine Meinung zu bilden! Ich finde zwar den Vergleich zum Schnauzengriff und den Begriff der Dominanz unpassend – das sind mittlerweile überholte Themen…, doch besonders, den Hinweis, dass es eher eine Symptom- als eine Ursachenbekämpfung ist und somit in keinem Fall grundsätzliche Erziehung ersetzt bedeutsam. Danke für die kritische Auseinandersetzung!

    1. ZooRoyal sagt:

      Vielen Dank für dein Feedback! 🙂

  4. Ray Schwa sagt:

    Dieser Beitrag gefällt mir sehr. Auch ich habe immer wieder über das Anschaffen eines Halti’s nachgedacht, gerade weil ich Hunde habe die einen erhöhten Jagdtrieb haben und stark auf Zug gehen. Gerade der Hinweis auf das eigene Verhalten und die Bindung zwischen Hund und Mensch geben hier den Ausschlag. Ich denke hier ist der Ansatz, der mich auch ohne Halti weiter bringt.

  5. Sylvia Reimer sagt:

    Sehr hilfreich, vielen Dank!

  6. Matthias B. sagt:

    Sehr gute Information! Vielen Dank!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.