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Bologneser im Rasseportrait

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BologneserHerkunft und Rassegeschichte

Der Bologneser entstammt einer uralten Familie von Begleithunden, die unter dem Namen Bichon zusammengefasst werden. Die Wurzeln der Bichons lassen sich, wie sonst selten bei Hunderassen, recht eindeutig bis in die Antike nachverfolgen. In den Hafenstädten des Mittelmeers waren sie die geschätzten Begleiter der Damen aus besserem Hause. Sie galten als wertvolle Geschenke. Schon Aristoteles beschrieb vor 2.400 Jahren einen „melitäischen Hund, der von auffällig kleinem Wuchs sei“. Zahlreiche weitere Schriften und Kunstwerke belegen die Existenz und hohe Wertschätzung dieser Kleinhunde seit Menschengedenken. Bichons sind die Kleinhunde des antiken Mittelmeerraums, der zu jener Zeit den Weltkreis der Kulturen Ägyptens, Griechenlands und Roms markierte.

Die Menschen hatten offensichtlich schon sehr früh und in den verschiedensten Kulturen das Bedürfnis nach einem Hund als Begleiter, als Partner der Psyche. Der Bologneser ist eng mit dem Malteser, der ebenfalls ein rein weißes Fell hat, verwandt. Als Schoßhunde der reichen Damen kamen die Bologneser um die ganze Welt. Sie verbreiteten sich schon früh vom Mittelmeer über ganz Europa aus namentlich auch nach England, wo später als erstes ihre modernen Rassen geschaffen wurden. Der große französische Naturforscher Buffon bezeichnete sie bereits vor 200 Jahren ausdrücklich als Bologneser. Die Bologneser sind der lebende Beweis dafür, dass man auch Begleithunde über Jahrhunderte hinweg gesund züchten kann.

Gerade in unserer heutigen hektischen, von großen Zusammenballungen der Menschen gekennzeichneten Zeit sind Hunde wie der Bologneser eine gute Wahl. Denn eines sind sie sicher: angenehme und intelligente Familienhunde, die sich auch in der Etagenwohnung einer Großstadt richtig wohl fühlen und auch damit zufrieden geben. Von manchen Hundefreunden werden Schoßhunde wie der Bologneser gerne belächelt und zuweilen gar als „Fehlentwicklung“ unserer heutigen Gesellschaft gesehen. Doch weit gefehlt. Sie haben eine äußerst wichtige Funktion und einen hohen Nutzen; denn solche Hunde tun schlicht unserer Psyche gut. 1956 erfolgte die offizielle Anerkennung dieser historischen Rasse durch die Fédération Cynologique Internationale. In Deutschland fallen etwa 100 Bologneser Welpen pro Jahr unter dem Dach des VDHs.

Beschreibung

Der Bologneser ist ein kleiner niederläufiger Hund mit eher langem, weichem, etwas gelocktem Fell. Es kann auch lockige Strähnen bilden. Als Fellfarbe ist weiß vorgesehen, das einen elfenbeinfarbenen Stich haben darf. Das Deckhaar ist sehr lang. Es besitzt allerdings kaum Unterwolle. Das Fell ist „vom Kopf bis zur Rute, von der Rückenlinie bis zu den Pfoten am ganzen Körper lang. Auf dem Nasenrücken ist es kürzer. Eher weich, doch nicht anliegend, sondern flockig; es bildet nie Fransen.“ So lautet die Vorgabe.

Ein Haarwechsel zwischen Winter- und Sommerfell findet nicht statt. Ein zu üppiges Fell kann allerdings die Augen reizen und so Irritationen hervorrufen. Nicht selten sind überdies die Tränenkanäle geschädigt, so dass ständig Augenflüssigkeit aus dem Auge fließt. Das verklebt diesen Bereich und ist als rötliche Färbung auf dem weißen Fell nicht zu übersehen. Hierauf solltest du schon vor dem Kauf achten (Elterntiere). Der Bologneser hat eine Widerristhöhe bei Rüden zwischen 27 und 30 Zentimetern und bei Hündinnen zwischen 25 bis 28. Entsprechend liegt das Gewicht zwischen 2,5 und 4 Kilogramm. Die Rute wird über dem Rücken getragen. Der ganze Hund macht einen fröhlichen, aufgeweckten Eindruck und so ist er auch.

Charakter und Wesen

Der Bologneser ist ein gelernter Begleiter des Menschen. Anders als die kleinen Terrier, die erst in jüngerer Vergangenheit von ausgemachten Arbeitshunden zu Begleitern umgeschult wurden, kennt der Bologneser die Aufgaben als Gesellschafts- und Begleithund bereits seit tausenden Jahren. Sein Wesen kennzeichnet der Standard:

Der Bologneser ist ein Hund von zartem und feinem Körperbau, ein beliebter und anpassungsfähiger Begleit- und Familienhund, sehr unternehmungslustig und gelehrig. Da er nur wenig Auslauf benötigt, ist er auch für eine Stadtwohnung sehr gut geeignet.

Der Bologneser hat keine Ecken und Kanten, die seine Passion, seiner Familie Freude zu bereiten, einschränken könnten. Er will für und mit seinen Menschen leben. Der putzige Hund ist ein cleveres, neugieriges und intelligentes Kerlchen, das immer wieder überrascht und uns zum Schmunzeln bringt. Auch sollte man die Geschicklichkeit dieser Hunde nicht unterschätzen. Viele Berichte besagen, dass man dem Bologneser gut kleine Kunststücke beibringen kann. Trotzdem ist er nicht überaktiv oder gar nervös. Bologneser sind von einem fröhlichen Wesen und immer wieder gerne zu einem Spiel aufgelegt.

Haltung

Der Bologneser kann sehr gut in der Stadt und in einer Wohnung, auch selbst in einer kleinen Etagenwohnung im höheren Stockwerk, gehalten werden. Natürlich braucht er tägliche Runden draußen, um sich wohlzufühlen und sein ausgeglichenes, freundliches Wesen voll entfalten zu können. Ansonsten ist er sehr anspruchslos, wenn er seine Bezugspersonen hat und ein wenig abwechslungsreiche Beschäftigung. Lediglich sein Fell bedarf regelmäßiger Pflege, damit es nicht verknotet. Der Bologneser muss nicht getrimmt werden. Die Fellpflege kann man gut nutzen, um die Bindung zwischen ihm und Herrchen oder Frauchen zu festigen. Er sollte schon als Welpe an die regelmäßige Fellpflege gewöhnt werden.

Der Bologneser ist ein idealer Familienhund. Er verträgt sich bestens mit Kindern und ist ein guter Spielpartner, was aber wie immer voraussetzt, dass die Kinder ihn als Partner und nicht als Spielzeug behandeln. Der Bologneser ist ein hervorragender Begleiter, der auch mit dem teils hektischen Großstadtleben zurecht kommt. Er kann in einer Großstadt problemlos gehalten werden kann, ob Single, jung oder alt, ob Familie groß oder klein. Der Bologneser braucht keine tägliche Arbeit oder intensive Beschäftigung wie Agility  als deren Ersatz, um sich bei seinen Menschen wohl zu fühlen. Und auch anders als viele Straßenhunde, die als Nothunde zu uns kommen, stellt für ihn die Enge und Hektik menschlicher Ballungszentren keine Bedrohung und Stresssituation dar.

Erziehung

Der kleine Hund lässt sich sehr gut erziehen. Aber auch er muss erzogen werden. Sein putziges, drolliges, freundliches Wesen lässt allzu schnell übersehen, dass er eine konsequente Führung und Erziehung braucht. Und er nimmt diese Verantwortung durch Herrchen und Frauchen gerne an. Seine hohe Intelligenz und Gelehrigkeit fordern geradezu die konsequente Führung durch seine Menschen, die – wie bei anderen Hunden auch – schon als Welpe beginnen sollte. Das fällt uns bei ihm zuweilen schwer, aber nicht, weil er nicht lernen könnte oder wollte. Vielmehr lassen wir Menschen uns gerne von diesem kleinen Gesellen als „putziges Wollknäuel“ verzaubern und verhätscheln ihn dann. Ansonsten lässt er sich leicht, auch von einem Anfänger erziehen.

Pflege und Gesundheit

Fellpflege

Mehrmals wöchentlich ist das Kämmen und Bürsten seines Fells nötig. In den Zeiten des Fellwechsels täglich. Das Fell muss nicht getrimmt werden. Man kann bei Bedarf störende Haare um die Augen schneiden.

Rassetypische Krankheiten

Der Bologneser ist eine gesunde Hunderasse. Die Kniescheibe ist allerdings zuweilen – wie bei vielen Kleinhunden – von der Erbkrankheit Patellaluxation betroffen. Daher sollte man beim Welpenkauf darauf achten, dass beide Elternteile PL-frei sein (PL 0/0). Zu üppiges Fell kann die Augen reizen und so Irritationen hervorrufen. Nicht selten sind die Tränenkanäle geschädigt, so dass ständig Augenflüssigkeit aus dem Auge fließt. Das verklebt diesen Bereich und ist als rötliche Färbung auf dem weißen Fell nicht zu übersehen – kann aber wegretuschiert werden. Hierauf sollte man bei den Elterntieren vor einem Welpenkauf achten. Das Hauptproblem für die Gesundheit des Bolognesers sind die vielen unseriösen Anbieter von Welpen im Internet.

Ernährung/Futter

Der Bologneser ist sehr genügsam und stellt keine besonderen Ansprüche an seine Ernährung. Aber er ist recht verfressen und Übergewicht sollte man vermeiden. Das ist gut für die allgemeine Gesundheit und reduziert das Risiko von Gelenkproblemen. Hierzu bietet der Handel kalorienreduziertes Spezialfutter.

Lebenserwartung

Ein seriös gezüchteter Bologneser hat eine Lebenserwartung von 15 Jahren.

Bologneser kaufen

Beim Kauf sollte man darauf achten, dass man den Welpen nur vor Ort bei einem Züchter kauft, der dem Verband Deutscher Kleinhundezüchter im VDH angeschlossen ist. Seriöse Züchter dokumentieren ihren Wurf detailliert etwa mit Fotos und stehen gerne Rede und Antwort. Bei diesen Kleinhunden gibt es leider viele Anbieter aus Hinterhofzuchten oder Puppy-Mills, die sich mit Welpenhandel per Internet ein paar schnelle Euros verdienen wollen. Für einen seriös gezüchteten Bologneser-Welpen muss man 800 Euro rechnen.


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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