Über 300 Marken
Kostenloser Versand in Deutschland ab 19€
25 Jahre Erfahrung

Bernhardiner im Rasseportrait

2708
0

BernhardinerHerkunft und Rassegeschichte

Der Bernhardiner, auch bekannt als Sankt Bernhardshund, gehört zu den wenigen Hunderassen, die wohl jeder kennt. Der Schweizer Nationalhund wird mit dem Fässchen um den Hals gesehen, der so Lawinenopfer rettet. Mit der Rettung von Lawinenopfern hat er tatsächlich viel zu tun. Die St. Bernhardshunde lebten und arbeiteten in einem von Mönchen betriebenen Hospiz am Pass des Großen St. Bernhard in den Alpen. Historisch ist belegt, dass der bekannteste Vertreter seiner Rasse „Barry“ – schweizerisch für Bärchen – mehr als 40 Menschen vor dem Schneetod bewahrt hat, freilich ohne das Schnapsfass. Bernhardiner wie Barry gab es also wirklich und sie begründeten den legendären Ruf dieser Hunderasse.

Der Ur-Bernhardiner wog allerdings nicht mehr als 40 oder höchsten 50 kg. Das sind nun 200 Jahre her. Die alten Bernhardiner, die den Ruf der Rasse als unerschrockenen wie bedachten Lebensretter begründeten, waren Hänflinge gegenüber den Riesen heute. Sie würden auf den Hundeausstellungen nicht einmal als Bernhardiner zugelassen. In der Zwischenzeit sind diese Kolosse noch kolossaler geworden. Rüden von 100 kg und mehr sind keine Seltenheit. Mit schweren Folgen für die Gesundheit. Der Offizielle FCI-Standard gibt zwar für Rüden 90 cm als Höchstmaß an, zieht aber ausdrücklich nach oben hin keine Grenze. Das ist katastrophal für die Zukunft diese alten Rasse. 1884 wurde das „Schweizerische Hundestammbuch“ eröffnet. Die allererste Eintragung hatte selbstverständlich ein Bernhardiner.

1887 wurde der St. Bernhardshund offiziell als schweizerische Hunderasse anerkannt. Er gilt seither als Schweizer Nationalhund. Schon kurz darauf, 1891, wurde in Deutschland der 1. Spezialklub für Bernhardiner gegründet. Er ist heute der weltweit größte Verein um den Bernhardiner. Gegen die Fehlentwicklung der Rassehundezucht haben sich die Freunde des Bernhardiners inzwischen engagiert. In der Schweiz wurde die Barry-Foundation zur „Erhaltung der ursprünglichen Bernhardinerhunde vom Grossen St. Bernhard“ gegründet. Sie betreibt an der alten Wirkungsstätte der Bernhardiner das Barryland. Es zeigt nicht nur die Geschichte dieser Hunde, es werden auch Bernhardiner – und zwar die echten – gezüchtet. Das macht Hoffnung für die Zukunft dieser Hunderasse und ist allemal einen Besuch wert.

Beschreibung

Aus den extrem widerständsfähigen und im Hochgebirge der Alpen arbeitenden Hunden wurden durch Fehlentwicklungen der Zucht riesige Kolosse, die kaum noch sich selber tragen können. Neben dem Mastiff zählt der Bernhardiner heute zu den schwersten Hunderassen. Durch solche Verirrungen der heutigen Zucht ist der Bernhardiner als Rettungshund mittlerweile ungeeignet. Der Standard schreibt als Mindestmaß für Rüden 70 cm und als Höchstmaß 90 cm vor, Hündinnen sind etwas kleiner. Im Interesse des Tierschutzes und der Gesundheit dieser Hunde, sollte man auch extreme Größe verzichten.

Der Bernhardiner ist sowieso ein markanter Hund, den jedes Kind sofort erkennt. Er strahlt majestätische Ruhe und Gelassenheit aus. Nicht nur Kinder lieben ihn. Ursprünglich gab es den St. Bernhardshund nur in Kurzhaar. Heute gibt es ihn in zwei Fellvarietäten: Die heute eher seltene Varietät Kurzhaar (Stockhaar) und die bekannte Langhaar. Letztere hat mittellanges, gerades  Deckhaar mit reichlich Unterwolle. Als Grundfarbe gelten weiß mit kleineren oder größeren klaren roten Platten oder Decken. Zudem hat er an Brust, Pfoten, Rutenspitze, Nasenband weiße Abzeichen sowie eine symmetrische dunkle Maske.

Charakter und Wesen

Der Bernhardiner strahlt Gelassenheit und Ruhe aus. Er ist ausgeglichen und selbstsicher. Trotz seiner imposanten Größe ist er jedoch sensibel und hat ein sanftmütiges Wesen. Sein „Dickkopf“ ist arttypisch für diese Rasse, nicht nur vom Äußeren her. Der Bernhardiner ist zuverlässig und gutmütig, sogar Fremden gegenüber. Es gibt kaum einen Hund, der ein so tolerantes, ausgeglichenes Wesen hat. Gelassen lässt er sich auch von fremden Kindern streicheln und begreifen. Es gibt kaum einen Hund, der so kinderlieb ist wie der vom Sankt Bernhard Pass. Nichts scheint ihn aus der Ruhe bringen zu können.

Allerdings hat er einen wachen Beschützerinstinkt. Seine Familie und sein Territorium verteidigt er kompromisslos und äußerst wirkungsvoll. Dabei verliert ein gesunder und gut sozialisierter Bernhardiner nie die Kontrolle. Er ist kein Kläffer und stellt Eindringlinge leise und unvermittelt. Da er zeitweilig gerne draußen in einer ordentlichen Hütte lebt, eignet er sich auch heute noch als Wach- und Schutzhund – er ist aber keineswegs ein Zwingerhund. Grundlage dafür ist der enge Anschluss an seine menschliche Familie, der im Mittelpunkt stehen muss. Denn er ist anhänglich und benötigt viel Kontakt sowohl Menschen als auch anderen Hunden gegenüber. Die enge Bindung an Herrchen und Frauchen ist schließlich die entscheidende Grundlage für seine Erziehung.

Haltung

Schon auf Grund seiner Größe und Kraft ist ein Bernhardiner kein Hund für Anfänger. Darüber hinaus ist seine Haltung – wie bei allen Großhunden – sehr aufwändig. Will man sich einen Bernhardiner anschaffen, sollte man sich zunächst einmal über ein paar grundsätzliche Dinge klar werden. Die extremen Ausmaße bringen ganz praktische Probleme mit sich. Das fängt beim Auto an. Und was passiert, wenn der erwachsenen Riese einmal krank ist oder altersbedingt zeitweilig nicht laufen kann? Der Bernhardiner ist kein Hund für eine Etagenwohnung. Aber auch bei Haus und Garten sollte man bedenken, dass der Hund einfach mal eine Blumenrabatte umpflügen kann, ohne sich groß anstrengen zu müssen. Der Boden im Haus darf nicht glatt sein. Der Hund sollte nicht häufig Treppen steigen müssen. Der Bernhardiner geht gerne spazieren; dabei ist er kein Sportler, lässt es vielmehr gemächlich angehen. Im Interesse seiner Fitness sollte man darauf achten, dass er täglich draußen bewegt wird. Ein Bernhardiner sollte idealerweise auf dem Land gehalten werden.

Erziehung

Um Freude mit seinem Bernhardiner zu haben, ist eine konsequente Erziehung vom Welpenalter an, Grundvoraussetzung. 60 und mehr Kilogramm, die stur sind und bestenfalls lustlos Anweisungen befolgen, sind kein Spaß. Auch sollte man immer im Hinterkopf haben, dass der Bernhardiner im Zweifelsfall viel stärker ist als jeder selbst gut durchtrainierte Mann. Eine tiefe, innige Bindung zu Herrchen und Frauchen ist die Grundlage der Erziehung, niemals Härte oder Zwangsmaßnahmen. Schon als Welpen muss er mit stoischer Konsequenz geführt werden. In der Jugend sind Bernhardiner oft sehr lebhaft und fordern die Führung durch ihre Menschen regelrecht heraus. Der Bernhardiner lässt sich aber gut erziehen. Sein gelassenes, gutmütiges Wesen verzeiht sogar diesen oder jenen Fehler. Doch ein fundierter Grundstock der Erziehung mit klaren Regeln für das tägliche Leben ist absolute Grundbedingung für seine Haltung.

Pflege und Gesundheit

Fellpflege

Die Fellpflege ist einfach. Regelmäßiges Bürsten reicht. Während des Fellwechsels zweimal im Jahr ist das Ganze etwas aufwändiger.

Rassetypische Krankheiten

Das gesundheitliche Hauptproblem des Bernhardiners ist die Extremzucht, die Zucht auf Gigantismus. Schon die Welpen und Junghunde solcher Zuchten wachsen zu schnell heran. So kommt es zu Koordinationsproblemen des Körpers. Epilepsie und andere Krankheiten begleiten den werdenden Riesen. Die Lebenserwartung sinkt dramatisch. Das enorme Wachstum und die damit verbundene schnelle Gewichtszunahme sind eine extreme Herausforderung an den ganzen Körper. Der genetische Bauplan des Hundes ist nicht für solche Riesen ausgelegt. Auch die Köpfe wurden, so „typisch“ sie aussehen mögen, ungesund mächtig gezüchtet, was schon bei der Geburt zu Problemen führen kann.

Man sollte auf die Augen achten: Das Hängeauge oder Hängelid ist gerade bei besonders mächtigen Köpfen ein weit verbreitetes Problem, das lebenslang der Pflege bedarf und die Augen ernsthaft schädigen kann. Prof. Distl von der Tiermedizinischen Hochschule Hannover zählt den Bernhardiner zu den Rassen bei denen gehäuft Epilepsie vorkommt. Auch verschiedene Krebsarten wie das Osteosarkom scheinen gerne bei Bernhardinern vorzukommen. Die Rasse ist stark von Hüftgelenksdysplasie wie auch anderen Krankheiten des Skelettes betroffen.

Ernährung/Futter

Bei den Welpen und Junghunden, die sehr schnell heranwachsen, bedarf es fachkundiger Anleitung für eine richtige Ernährung. Zugleich muss auf kontrollierte Bewegung geachtet werden, nicht zu viel und nicht zu wenig. Beim erwachsenen Bernhardiner besteht das Risiko der Magendrehung. Ansonsten gilt wie bei jedem Großhund für das Futter: gut und viel.

Lebenserwartung

Der legendäre Barry wurde 14 Jahre alt, davon stand er 10 Jahre im aktiven Rettungsdienst auf dem Großen St. Bernhard. Das ist heute anders, menschengemacht. Der Bernhardiner zählt heute zu den Hunden mit der niedrigsten Lebenserwartung. Die heutigen Kolosse erreichen gerade 6 bis 8 Jahre. Nur ganz selten erreicht er ein Alter von 10 Jahren oder mehr. Ein gesund gezüchteter Bernhardiner mit einem Gewicht unter 70 kg ist hingegen ein robuster und trotz seiner Größe sehr genügsamer Hund – ohne Probleme aber mit seinem einmaligen Wesen.

Bernhardiner kaufen

Vor dem Kauf eines Bernhardiners sollte man sehr gewissenhaft prüfen, ob man wirklich alle Vorrausetzungen mitbringt, um gemeinsam viele schöne Jahre mit diesem Riesen verbringen zu können. Erst wenn das alles geklärt ist, sollte man sich nach einem Züchter umschauen und mit diesem lange vor dem Kauf Kontakt aufnehmen. Besonderen Wert sollte man darauf legen, dass der Züchter Übertreibungen vermeidet. Die Hunde seines Zwingers sollten nicht groß und nicht zu schwer sein. Auch sollten die Köpfe nicht zu mächtig ausgeprägt sein. Darüber hinaus sollte man sich versichern lassen, dass bei den Vorfahren keine Epilepsie aufgetreten ist. Klar sollte in jedem Fall sein, dass ein Welpe nur direkt beim seriösen Züchter gekauft wird. Zahle lieber ein paar hundert Euro mehr für einen Welpen aus seriöser Zucht. Diese Euros haben gute Chancen, die beste Investition deines Lebens zu werden. Aus einer seriösen Zucht kommend, kostet ein Bernhardiner Welpe 1.500 – 2.000 Euro.

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


Hilf uns, unseren Service weiter zu verbessern. War dieser Artikel hilfreich für dich?

Kommentare, Fragen und Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.